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Prinzipien der Erziehung

01.12.2012 by Salim Spohr


Der Religionsunterricht von Kindern sollte sich weniger um die theoretischen Grundlagen des Islams, sich vielmehr entscheidend darum bekümmern, die Kinder in die Religion und ihre spirituellen Tiefen hineinwachsen zu lassen, daß sie die Liebe zum Propheten (s) und die Liebe zu Allah (swt) entwickeln.

Natürlich sollen sie das Gebet und auch die Fatiha und ein paar Grundregeln lernen, entscheidend aber ist die Entwicklung des Bewußtseins, daß wir Muslime die wichtigste aller Fragen, die heute in einer verdrehten Gesellschaft nicht mehr gestellt wird, die nämlich danach, wozu wir auf diesem Planeten sind, was unser kurzer Aufenthalt hier für einen Zweck hat, daß wir diese Frage des Sinns in größter Klarheit und Schönheit beantworten können. Daß wir uns dabei bewußt werden, daß die Quellen himmlischen Erbarmens und himmlischer Macht bis heute sprudeln und wir jederzeit um Hilfe bitten können und sollen.

So wie schon Immanuel Kant uns erklärte, daß, sofern Urteilskraft die Fähigkeit bedeutet, zu entscheiden, ob etwas unter eine Regel fällt, Belehrung aber nur durch Regeln geschehen kann, Urteilskraft eben nicht belehr-, sondern nur einübbar ist, so sollte, was die Einübung von Religion betrifft, absolut unbezweifelt sein, daß islamischer Religionsunterricht nur durch Muslime, am besten durch solche Muslime geschehen kann, die durch die Nähe zu dem Scheich eines spirituellen Ordens Weisheit eingeübt haben.

Es muß der irrwitzigen Auffassung entgegengetreten werden, alles sei (durch einen jeden beliebigen) lehrbar, alles im Religionsunterreicht Einzuübende sei bloß eine Regel. – Nein, denn entscheidend ist die Entwicklung von Urteilskraft, deren Mangel, wie Kant sagt, “die Leute gemeiniglich Dummheit nennen”. So wie es im christlichen Abendland gute Tradition war, daß die spirituellen Orden Patres zum Religionsunterricht an die Schulen abordneten, so sollte im heutigen Abendland der islamische Religionsunterricht vorwiegend von Schülern eines Scheichs, der sich dem ahlu l-sunna wa l-jamâ a zugehörig fühlt, geleistet werden: Dies wäre die beste Versicherung gegen das Aufkommen wahhabitischen oder salafitischen Irrsinns und eine Bereicherung auch der nichtmuslimischen Teile der Gesellschaft.

Und das islamische Erziehungs- und Bildungssystem hat zudem im Unterschied zum westlichen wunderbarerweise die Entwicklung eines guten Charakters zum Ziel. Konnte im Westen ein Doktorgrad und eine “venia legendi” von jedem Schweinehund erworben werde, so war die Erteilung des Alim-Titels und der “ijâza” im Osten an einen untadeligen Charakter gebunden. Wir sollten diese Tradition nicht aufgeben.

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